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1933: Ein Wahn führt zum Untergang

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten vollzog sich äußerlich als Akt eines unvermittelten, gewalttätigen Eindringens in den Verwaltungsapparat der Kommunen und der ihnen angeschlossenen Unternehmen. Die Machtübernahme bei der Rheinbahn verlief genauso wie bei der Stadtverwaltung, bei den Theatern und Schulen. Während Oberbürgermeister Dr. Lehr in Haft gesetzt wurde, entging der Generaldirektor der Rheinbahn, Fritzen, diesem Schicksal. In diffamierender Weise war er der Untreue im Amt angeschuldigt worden, eine NSDAP-Untersuchungs-
kommission nahm sich des Themas an. Fritzen wurde zum Rücktritt gedrängt und trat zurück.
 
Seinen Posten nahm ein Parteifunktionär ein, der zudem auch Vorsitzender des NSDAP-Untersuchungsausschusses und Propagandaleiter von Kaiserswerth war, Otto Liederley. Durchdrungen vom Parteiprogramm der NSDAP war Liederley schnell bereit, das Unternehmen in den Dienst der Partei zu stellen und politische Strukturen in das soziale Gefüge des Unternehmens einzuführen. So wurde im Oktober 1933 der „Deutsche Gruß“ per Bekanntmachung für alle Rheinbahner verbindlich angeordnet.
 
Wenn auch der Anschein der Geschlossenheit vermittelt wurde, so gab es doch Mitarbeiter, die anders dachten und solche, die dies auch couragiert durch ihr Handeln deutlich machten. Der stellvertretende Vorsitzende der KPD, Karl Schabrodt, beschreibt den antifaschistischen Widerstand bei der Rheinbahn in den Jahren bis 1937. In ihrer Kleinzeitung „Der Blitzstrahl“ prangern sie die Politik der Nazis an und stellen ihre Machenschaften bloß. Auf Handzetteln konnte man frühmorgens unter anderem lesen: „Hitler ist eine Gefahr für das deutsche Volk, und wer Hitler wählt, wählt den Krieg!"
 
Die Hauptwerkstatt an der Erkrather Straße wurde umgebaut, der Speisesaal wurde zum Versammlungssaal. Große Hakenkreuze wurden unter die Decke gemalt, eine Führerbüste war ebenso im Fundus vorhanden wie der Reichsadler als Hoheitssymbol des Dritten Reiches. Hier in der Hauptwerkstatt fanden die Aufmärsche unter anderem anlässlich des 1. Mai statt.
 
Welcher Druck damit auf die betroffenen Menschen ausgeübt wurde, ist kaum nachzuvollziehen und so unvorstellbar, dass viele diese Ereignisse total verdrängt haben. Im Jahr 1937 wird die Gleichmachung aller Deutschen ein Stück weitergetrieben. Mit Bekanntmachung Nummer 30 wurden alle Rheinbahner aufgefordert, einen Arier-Nachweis zu erbringen, das heißt jeder Mitarbeiter musste anhand von Geburtsurkunden und Kirchenbüchern nachweisen, dass in seiner Familie bis zur dritten Generation rückwirkend keine jüdischen Verwandten vorhanden waren. Ließ sich das nicht zweifelsfrei nachweisen, musste der betreffende Mitarbeiter mit Absetzung aus seiner Position oder Versetzung auf einen schlechteren Arbeitsplatz rechnen. Ehepaare, die in einer so genannten „Mischehe" mit einem Juden oder einer Jüdin lebten, wurden zur Scheidung gedrängt oder aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.
 
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