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Lackiererinnen geben dem „Schwarzen Pitter“ seinen Glanz zurück:

Von der Rostlaube zum Oldtimertraum

24.09.2021

Der Oldie-Fuhrpark der Rheinbahn ist um ein Glanzstück reicher: Eine fast hundert Jahre alte E-Lok von AEG hat das Team der Lackiererei von unzähligen Schichten Rost und alter Farbe befreit und in liebevoller Kleinarbeit frisch restauriert.
 
Zehn Liter Rostschutzgrundierung, 13 Kilogramm Spachtelmasse, 20 Liter Schleiffüller, 80 Liter Lack in verschiedenen Farben und über 580 Arbeitsstunden allein in der Lackiererei waren nötig, um aus dem verrosteten „Schwarzen Pitter“ wieder einen vorzeigbaren Oldie zu machen. 1924 bei der AEG gebaut, gelangte die Lok für 20.334,52 Reichsmark zu den Kreis Mettmanner Straßenbahnen und erhielt die Betriebsnummer 100. Man nannte sie wegen des dunklen Anstrichs „Schwarzer Pitter“.
 
Geschichte unter vielen Lackschichten
Seit 1937 gehört die Lok zur Rheinbahn, die den Betrieb der Kreis Mettmanner Straßenbahnen übernahm und ihr Netz bis 1952 betrieb. Mit der Einstellung der letzten Mettmanner Linie kam die Lok per Tieflader ins Düsseldorfer Netz. Bei der Rheinbahn war sie bis in die 1970er-Jahre als Rangierfahrzeug im Dienst – entsprechend war der „Schwarze Pitter“ in dieser Zeit orange, wie alle Arbeitswagen damals. 1991 restaurierte die Rheinbahn das interessante Fahrzeug und stellte es als technisches Denkmal im Betriebshof Lierenfeld auf. Auch eine Restaurierung im Jahr 2001 konnte die Zerstörung durch Wind und Wetter nicht aufhalten. 2019 kam die Lokomotive dann, wettergeschützt untergestellt, in den historischen Betriebshof Am Steinberg.
 
Demontieren, sandstrahlen, entrosten, spachteln und schleifen
Schicht um Schicht haben die Fahrzeug-Lackiererin Marina Paciorek, die Auszubildenden Julia Keulig und Chiara Sieburg und weitere Kolleginnen und Kollegen die alte Lokomotive von ihrem Panzer aus Rost und Farbe befreit. Davor war aber noch viel harte Arbeit nötig: „Die Kollegen aus der Blechschlosserei haben uns beim Demontieren geholfen. Das sind alles schwere Teil, massiv und aus Stahl und deshalb sehr langlebig. Dann ging es ans Entrosten. Wir konnten nur wenige Teile sandstrahlen, weil die Lok nicht in die Kabine passte. Also haben wir sie mit einer Nagelpistole bearbeitet, jedes Teil einzeln.“ Dabei kamen ihnen die alten Farbschichten, von Dunkelgrün bis Orange, schon entgegen: „Die Bahn wurde zuletzt vor 20 Jahren lackiert, damals komplett in Dunkelgrün. Wir haben uns an einem alten Farbfoto orientiert und den Originalzustand ganz genau wiederhergestellt, mit rotem Rahmen und rot-weißen Warnstreifen an den Seiten.“

Pünktlich zur Eröffnung fertig
Die Schreiner stellten schließlich noch einen Aufbau für den Strom-Abnehmer auf dem Dach her, dann ging es an den Innenraum. „Es war mein erstes eigenverantwortliches Projekt“, berichtet Marina Paciorek, die seit 14 Jahren in der Lackiererei arbeitet und die Restaurierung mit Fotos und Videos dokumentiert hat. „Am 18. Dezember 2020 haben wir angefangen. Man sieht erst, wenn der Rost herunter ist, was alles zu tun ist. Man muss zwischendurch umdenken und neu planen – und es gab auch Unterbrechungen, wir konnten nicht durchgängig an der Lok arbeiten.“ Aber schließlich war das letzte Fenster wieder eingebaut, die Beschriftung im ursprünglichen Stil wieder angebracht – und pünktlich zur Eröffnung ist die Lok im historischen Betriebshof Am Steinberg als Teil der großen Jubiläumsausstellung fertig geworden.
 
Güterverkehr und Kohletransport bei der Rheinbahn
Das seltene Fahrzeug ist nicht nur einer der letzten Zeugen der Kreis Mettmanner Straßenbahn, sondern repräsentiert auch die Geschichte des Güterverkehrs bei der Rheinbahn, die kaum jemand kennt. Sowohl im Straßenbahnnetz als auch auf der nicht elektrifizierten rechtsrheinischen Industriebahn transportierte die Rheinbahn ab 1898 Güter von der Industrie und den landwirtschaftlichen Betrieben nach Düsseldorf zu den Eisenbahn-Anschlüssen und den Rheinhäfen. Mit einer solchen zweiachsigen Lokomotive und ähnlichen Geschwistern brachte die Rheinbahn zudem während des Ersten und des Zweiten Weltkriegs Kohle von den Zechen nördlich von Moers und Kamp-Lintfort über mehrere Straßenbahnnetze bis nach Düsseldorf.
 
Glanzstück der Ausstellung „125 Jahre Rheinbahn – Einfach. Immer. Da.“
Zu sehen ist das Schmuckstück im Rahmen der Ausstellung „125 Jahre Rheinbahn – Einfach. Immer. Da.“ im Betriebshof Am Steinberg, die noch bis Mitte November jeden Samstag und Sonntag von 13 bis 18 Uhr geöffnet hat. Weitere Termine sind ab Frühjahr 2022 vorgesehen. Informationen zu den Öffnungszeiten gibt es immer aktuell unter www.rheinbahn.de/ausstellung. Der Eintritt ist frei, die Besucher kommen am besten mit der Rheinbahn zur Ausstellung: Die Linien 701, 706 und 827 halten an der Haltestelle „Am Steinberg“ direkt vor den Toren des Betriebshofs, die Buslinien 835 und 836 alternativ an der Haltestelle „Merowingerstraße“. Es gelten die 3G-Regel sowie die aktuellen Hygiene- und Abstandsregeln (siehe www.duesseldorf.de/corona).
 
Lebenslauf“ der Elektrischen Lokomotive
  • 1924: Gebaut beim Hersteller AEG
  • 1925: Ankauf durch die Kreis Mettmanner Straßenbahnen, Einsatz in Bauzügen und im Winterdienst
  • 1937: Übernahme des Betriebs der Kreis Mettmanner Straßenbahnen durch die Rheinische Bahngesellschaft
  • 1952: Transport ins Düsseldorfer Straßenbahnnetz, Einsatz im Betriebshof Heerdt, Rangierdienst
  • 1970: Neue Betriebsnummer 5100, Nachrüstung mit Zug- und Stoßeinrichtungen für Eisenbahnen
  • 1991: Aufstellung als technische Denkmal im neuen Betriebshof Lierenfeld
  • 2001: äußerliche Restaurierung
  • 2019: gesicherte Unterstellung im historischen Betriebshof Am Steinberg
  • 2021: äußerliche Restaurierung
Technische Daten:
Baureihe: 5100
Hersteller: AEG
Baujahr: 1924
Leistung: 2 x 50 kW
Länge: 5,20 Meter bzw. 5,60 Meter mit Anbauteilen für Schneeräumer
Breite: 2,20 Meter
 
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