Uns gehts besser:
Wer fährt noch mit der Straßenbahn?
Hatte der Öffentliche Personennahverkehr nach dem Krieg zunächst noch Monopolcharakter, so führt die aufstrebende Automobilindustrie schon bald zu einer Ausweitung des Individualverkehrs und zu einer heraufziehenden Konkurrenz.
1956 trat der Essener Verkehrsfachmann Oskar Willenberg mit einer Broschüre "Ist die Straßenbahn überholt?" an die Öffentlichkeit. Nach umfangreichen Untersuchungen in USA kam er zu dem Ergebnis, dass die zusätzliche Schaffung von Straßen einen zusätzlichen Verkehrsstrom nach sich ziehen würde.
Schon 1955 forderte Willenberg die Verlagerung des Individualverkehrs in den Innenstädten auf die öffentlichen Verkehrsmittel. Seine Vorschläge zur Bewältigung des innerstädtischen Verkehrs waren:
- Die Straßenbahn muss nach Möglichkeit ihren eigenen Bahnkörper erhalten.
- Um den Verkehr flüssiger zu gestalten, braucht jede Haltestelle eine Verkehrsinsel.
- Die öffentlichen Verkehrsmittel, auf die der überwiegende Teil der Bevölkerung angewiesen ist, sei es nur zur Fahrt in die Arbeitsstätte, nach Hause oder ins Einkaufszentrum, müssen den absoluten Vorrang im Verkehr haben.
41 Jahre später ist die Vision der Städteplaner von der autogerechten Stadt längst wie eine Seifenblase geplatzt. Der Verkehrskollaps macht allen Großstädten mit Lärm, Abgasen und enormem Flächenverbrauch schwer zu schaffen. Der öffentliche Nahverkehr wird als leistungsfähiger Ausweg aus dieser lebensbedrohenden Sackgasse wieder entdeckt. Die Thesen von Willenberg sind von unverminderter Aktualität.